Wir haben uns aufgrund der politischen Situation in Bolivien dazu entschieden, erst einmal in den Dschungel abzutauchen… denn die Tiere dort interessieren sich unseres Wissens nach eher weniger für die Spannungen im Land und das ist auch gut so. Nach einer Busfahrt nach El Alto mit spannender Fährüberfahrt entschieden wir uns dafür, das Flugzeug nach Rurrenabaque zu nehmen.

Wir befinden uns ja mittlerweile am Anfang der Regenzeit und dann kann so eine Busfahrt, auf teilweise unbefestigten Straßen, schon gefährlich werden (Erdrutsch). Der Flug war zwar nicht ganz so gefährlich aber sicher nicht weniger spektakulär. Wir konnten nach den mächtigen Bergketten (wir saßen zum Glück auf der richtigen Seite) und einer dicken Wolke, das erste Mal den Regenwald sehen… es war einmalig und unvergesslich.

Rurrenabaque ist ein beschaulicher Ort, der uns mit 35 °C und einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit begrüßte. Man muss dazu sagen, dass wir bei gefühlten 10 °C in El Alto gestartet sind. Wir wurden gleich von unzähligen Moskitos begrüßt, die nur darauf warteten endlich mal zwei saftige Pfälzer zu kosten. Wir haben uns dazu entschieden mit Madidi Travel den Regenwald unsicher zu machen und dann auch gleich für fünf Tage um genug Zeit zu haben und hoffentlich viele Tiere zu sehen.

Also starteten wir insgesamt zu fünft in der Gruppe mit unserem Guide Jaime mit dem Boot für drei Stunden Fahrt auf dem rio beni in Richtung Serere Camp, fernab der Zivilisation. Uns war es wichtig, bei einem Anbieter zu buchen, der nachhaltig vorgeht und auf die Tiere und die Umwelt achtet und wir müssen sagen, dass wir Madidi Travel nur wärmstens empfehlen können. Bei der Bootsfahrt hatten wir die Möglichkeit, Schildkröten und ein Krokodil beim Sonnen zu beobachten oder aber auch bunte Schmetterlingsschwärme am Ufer zu bewundern. Das Wetter war auf unserer Seite und perfekt für diese Jahreszeit. Nach einem kurzen Fußmarsch kamen wir dann auch komplett nass geschwitzt und mit der Hitze und den Moskitos kämpfend im Camp an. Wir hatten super schöne, mitten im tiefen Dschungel gelegene Hütten, ohne Wände dafür aber mit Moskitonetzen bestückt und mit viel freier Sicht auf die Flora und Fauna. Manch ein Tier war uns zu Beginn näher, als es uns lieb war… selbst in den eigenen vier Wänden. Das war wirklich Natur pur! Wir hatten in dem Camp neben den Schlafhütten noch das casa grande, das sogenannte Haupthaus. Hier wurde für uns jeden Tag lecker und frisch gekocht. Oft gab es auch den eigens gefangenen Fisch am Abend. Das Team von dem Camp wohnte direkt am Haupthaus und scheute keine Mühen um uns einen unvergesslichen Aufenthalt zu bescheren. Zu dem Camp gehörte unter Anderem noch ein Papagei, der nicht mehr in der Lage ist zu fliegen und vom Camp aufgenommen und versorgt wird. Wir hatten vom Haupthaus aus einen tollen Blick auf den See und hatten ein großes Chile-Out-Areal mit Hängematten für das ultimative Dschungelfeeling. Es war der Hammer und wir können nur eins sagen… nach fünf Tagen Dschungel ohne Internet und der Zivilisation waren wir so tiefenentspannt wie schon lange nicht mehr. Es war perfekt und nur zu empfehlen!

Es wurden unterschiedliche Touren angeboten, manche morgens, andere am Nachmittag, frühen Abend oder auch in der Nacht. Wir waren mit unserem Guide zu Fuß im Dschungel unterwegs und er zeigte uns, wenn möglich verschiedene Tiere und versuchte Sie mit den typischen Geräuschen anzulocken. Er erklärte und zeigte uns auch die ein oder andere Pflanze die auch in der Medizin oder zum Kochen genutzt werden. Wir sahen verschiedene Affen (Brüllaffen, Cappuccino-Affen, Totenkopfaffen…) und viele weitere Arten. Außerdem konnten wir auch eine nicht allzu kleine Schlange sichten, unzählige Spinnen (auch Taranteln), Frösche, Tausendfüßler, unzählige Vogelarten, ein Faultier (leider nur kurz und hoch oben im Geäst), ein Tapir, ein Ameisenbär, Dschungelwildschweine und vieles mehr. Die Fahrten mit dem Boot auf dem See sowohl am Tag zur Tierbeobachtung, zum Fischen von Piranhas oder aber auch Abends um die Kaimane am Ufer zu bestaunen, waren unvergesslich. Die Zeit im Dschungel war so entschleunigend und kam uns vor wie ein nicht endendes, großes Abenteuer. Ein absolutes "Muss" auf unserer Südamerikareise!

Neben den ganzen Touren hatten wir die Möglichkeit, Schmuck zu gestalten aus Materialien, die es nur im Dschungel gibt. Verschiedene Samen und kleine Kokosnüsse. Wir entschlossen uns zusammen mit unserem Guide unsere "Dschungelersatzeheringe" zu gestalten und ein Armband für mich und wir finden, dass Sie gar nicht schlecht geworden sind.

Ein weiterer Höhepunkt für uns war der Erfolg mit einfachem Equipment, einen Fisch zu angeln. Beim dritten Versuch hat es bei uns beiden geklappt… leider waren die Fische zwar ziemlich groß, aber nicht für den Verzehr geeignet, weil sie quasi nur aus Gräten bestanden und wenig Fleisch hatten. Den ersten Fisch ließen wir in die Freiheit zurück. Bei meinem Fang passierte etwas, was wir so schnell nicht vergessen werden. Ein Kaiman hatte uns die ganze Zeit beobachtet und hatte anscheinend genau den Fisch, den ich geangelt hatte im Visier. Vor lauter Freude und stolzem präsentieren meines Fanges merkte ich gar nicht, dass er mittlerweile sehr nah gekommen war. Wir beschlossen zusammen mit unserem Guide den Fisch für den hungrigen Kaiman zu opfern. Ganz zur Freude von ihm… es dauerte nicht lange und er schnappte ihn vor unseren Augen nur ein paar Meter entfernt. Dann waren ja am Ende des Tages alle satt 🐊. Interessant war auch der Besuch der Nomaden die am rio beni leben. An einem Tag brachten sie einen 20 kg schweren cat fish in unser Camp und Boten ihn Stolz zum Kauf an. 20 Bolivianos pro Kilo gab es für den Prachtkerl und alle waren am Ende zufrieden. Wir wussten, was es die nächste Zeit zum Essen geben wird…

Bei unserer Rückfahrt mit dem Boot in die Zivilisation zog ein Unwetter auf. Wir hatten die Tage zuvor unheimliches Glück aber bei der Rückfahrt erwischte es uns ziemlich hart. Die Guides warnten uns bei den schwarzen Wolken am Himmel, dass wir unsere Kameras und Handys in Sicherheit bringen sollen… es sähe nach ziemlich viel Regen aus und um diese Jahreszeit kann das schon mal für eine Zeit anhalten. Man muss dazu sagen, dass die Boote aus einer Nussschale bestehen mit einem Dach aus Planen und einem kleinen Motor/Steuer. In ein Boot passen maximal 12 Personen. Bei der Rückfahrt war es gut gefüllt mit Touristen und auch mit Einheimischen, die die Mitfahrgelegenheit nutzten. Der Sturm wurde immer schlimmer und der Fluss wurde unruhiger, die Wellen höher. Noch kämpfte unser Boot gegen die Strömung und den Wind in Schrittgeschwindigkeit. Uns wurde es ehrlich gesagt langsam etwas mulmig, aber unsere Guides hatten bislang alles im Griff. Plötzlich kam eine starke Windböe von der Seite und das Problem war, dass sich die Plane löste und in dem Moment die Funktion eines Segels hatte. Unser Boot kippte stark zur Seite und schwappte ziemlich viel Wasser ins Innere… alles halb so wild aber der Schreck saß tief. Wir hingen auf einer flachen Sandbank und die Guides waren selber sehr überrascht über diesen starken Wind, hatten aber alles im Griff. Während die Plane für die Weiterfahrt fixiert und das Wasser aus dem Boot geschaufelt wurde, peitschte uns der Wind und der Regen nur so ins Gesicht. Wir waren am Ende alle heilfroh und klitschnass im Hafen angekommen. Ein abenteuerliches Ende einer traumhaft schönen Tour in das unberührte Bolivien.